Gedanken zu meiner Arbeit / Daniel Felber, 2026
Mein Atelier steht in einem grossen, artenreichen Garten. Die Konturen der Pflanzen wachsen ineinander und verwischen. Baumpartien lösen sich in Licht- und Schatten-Flächen auf.
Wie zerfallend sich Anhäufendes und neue Zusammenhänge, die daraus erwachsen.
Mir ist das "Nicht-Messbare" wichtig, der Rhythmus von Zwischenräumen innerhalb einer Bildkomposition.
Manche Motive wie Wurzeln und Felsschichtungen sind erkennbar bei einigen Bildern. Das ruhig dahinfliessende Wasser lässt darunter liegende zerklüftete Felsen sichtbar werden. Gegensätze, die auch psychologische, philosophische und politische Symbolik beinhalten. Ruhig, friedlich versus nervös, misstrauisch.
Andere Bilder verselbständigen sich zunehmend zu ungegenständlichen, rhythmischen Formgefügen. Dabei pendeln die Bilder zwischen rhythmischen minimalen Variationen und grossen formalen Gegensätzen.
Die Verwandlung von Materiellem zu Schutt und Neukreation.
Der Fluss von Material in ewigen Zeiten wie ewige Musik.
Ich bin auch ein leidenschaftlicher Tänzer.
Der Körper malt dabei Gesten in die Luft.
Eine im Moment entstehende und gleich wieder vergehende, ephemere Skulptur.
Die Bewegung ist dann ähnlich mit dem Zufall verbunden, wie wenn ich meinem 3 Meter langen Pinsel zuschaue, der am Boden nicht ganz präzise führbar, neue Bilder entstehen lässt.
Die Landschaft, die vorbeizieht.
Sie hinterlässt Schärfe und Unschärfe in der Erinnerung.
Zulassen von Kokretem.
Zulassen von Vagem, Angedeutetem.
Neuem gegenüber offen sein.
Sicht fürs Ganze anpacken.
Spraybild-Stücke. Gemalte graue Gesteinsbrocken vor ockerbrauner Höhle.
Farbkleckse.
Sie stehen für die Herausforderung, Neues zu integrieren und zu kreieren.
Ewiges Werden und Vergehen in schwarz-pink.
Nur der eine Wandel ist konstant.
Es gibt das Eine, das Uni-Verse.
Verbunden mit allen Ewigkeiten und Unendlichkeiten, allen Ereignissen.
Eins.
Ich nenne meine Bilder HI = Holistische Improvisation.
Inspiriert von der holistischen Hypothese des Physikers David Bohm.
Die Holistische Improvisation lässt mich immer wieder wackeln, staunen, lernen und lachen.
Aus der weissen Leinwand kann alles werden.